Kritik aus Mosbach an der Beurteilung für B19-Trasse

Geschrieben von Vorstand gegen B88
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Mosbach (Wartburgkreis). In seiner jüngsten Sitzung übte der Ortsteilrat Mosbach harsche Kritik an der landesplanerischen Beurteilung des Raumordnungsverfahrens (ROV) zur Neutrassierung der Bundesstraße 19 quer durch den nordwestlichen Thüringer Wald.
Viele Bürger hatten sich gewünscht, diese Straßenplanung möge wegen leerer Kassen und wegen ihrer Fragwürdigkeit im Sande verlaufen, doch war das Thüringer Landesverwaltungsamt betreffs Abschluss des ROV offenbar einer Weisung von "höherer Stelle" gefolgt, die vor der Bildung einer neuen Staatsregierung noch schnell Tatsachen schaffen wollte, war in der Sitzung zu hören.
So vermuten es nicht nur Ortsteilbürgermeister Enrico Gruhl (BWF) und sein Ortsteilrat, sondern auch einige Träger öffentlicher Belange, die zum ROV ihre Stellungnahmen abgaben.
Das stolze 163 Seiten starke Dokument ist mit dem 15. September datiert, war also kurz nach dem Bürgerentscheid in Wutha-Farnroda (unsere Zeitung berichtete) noch nicht einmal 24 Stunden alt.
Kompletter Rückbau der Straße über Hohe Sonne
 
Was schlussfolgern lässt, dass sie schon länger in der Schublade gelegen haben muss. Doch das war nur eine von vielen aus Sicht der Mosbacher nicht nachvollziehbare Ungereimtheit rund um die Planung der neuen B19-Trasse, die "hausgemachtes Elend" sei. Mit der landesplanerischen Beurteilung, die 13 Maßgaben und 14 Hinweise enthält, wurde die "Raumverträglichkeit" der B19-Trasse festgestellt, doch es bleiben viele Probleme offen. "Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist nicht berücksichtigt worden", kritisierte Gruhl, der auch Vorsitzender des Bürgervereins Mosbach ist, die Vorgehensweise der Behörde.
"Verwundert sind wir darüber allerdings nicht, denn wenn der Freistaat aufgrund eines Bürgerentscheides jetzt von seinen Planungen abgerückt wäre, so könnte man zukünftig wohl nur noch wenige Großbauprojekte in Thüringen umsetzen. Die Signalwirkung wäre enorm und die Bürger anderer Orte würden ermutigt, sich mit demokratischen Mitteln einzumischen. Das ist aber offensichtlich nicht gewollt."
Zu den Maßgaben gehört der unter bestimmten Bedingungen komplette Rückbau der jetzigen B19 zwischen Eisenach und Hohe Sonne. Hier müssten in Eisenach sämtliche Alarmglocken schrillen, so der Ortsteilrat. Eine Ortsumfahrung Stockhausen sei nicht im Plan, ebenso wenig eine Aussage über den zu erwartenden Verkehr vom Kreisel Wutha nach Sättelstädt und Eisenach.
Die Baukosten könnten die bisher geplanten 200 Millionen Euro weit übersteigen, da es weitergehende Untersuchungen und Veränderungen in der Planung gab. So solle etwa eine Verlängerung des über drei Kilometer langen Tunnels geprüft werden. Des Weiteren gehe die Planung von einer Verdreifachung des jetzigen Verkehrsaufkommens aus, obwohl eine Verkehrsprognose 2030 des Bundes für den gleichen Zeitraum einen Rückgang von zehn Prozent vorhersage. "Das alles muss man wohl nicht verstehen", so aus der Runde des Ortsteilrates.
Wie nun weiter bei all diesen Widersprüchen? Gruhl informierte darüber, dass der Bürgerverein Mosbach sein Hauptaugenmerk in nächster Zeit auf die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) 2015 legen wolle. Einig ist er dabei mit Wutha-Farnrodas Bürgermeister Torsten Gieß (pl), der in der Sitzung zu den Chancen dieser übergeordneten Planung spekulierte. Ziel müsse es sein, eine politische Entscheidung zu revidieren. Die Prioritäten müssten neu gesetzt werden. Dabei könne das Ergebnis des Bürgerentscheides sehr hilfreich sein.

Klaus Fink / 06.10.14 / TA